Mein erstes Actioncam-Projekt – Teil 1: Planung
Okay, ich fange ehrlich an: Die meisten ersten Videos, die bei cam2rent-Kunden entstehen, folgen demselben Muster. Kamera an, drauflosfilmen, 40 Clips auf dem Rechner, drei davon brauchbar, den Rest löschen — und frustriert aufhören. Nicht weil die Leute kein Talent haben. Sondern weil niemand ihnen je erklärt hat, dass 30 Minuten Planung vorher zwei Stunden Chaos hinterher sparen.
Das soll diese Serie ändern.
Willkommen zu Mein erstes Actioncam-Projekt — einer mehrteiligen Begleitung, die dich von der vagen Idee bis zum fertigen, geschnittenen Video bringt. Kein Filmstudium nötig. Keine teure Ausrüstung. Nur ein bisschen Struktur und die Bereitschaft, sich vorher kurz hinzusetzen.
Teil 1 ist die Planungsphase. Und die ist, ohne Übertreibung, die wichtigste.
Schritt 1: Was willst du eigentlich zeigen?
Nicht "ein cooles Video". Das ist kein Plan, das ist ein Wunsch.
Frag dich konkret: Gibt es ein Ereignis? Ein Wochenende, einen Trip, einen Ausflug? Oder eine Aktivität, die du regelmäßig machst — Biken, Klettern, Surfen, Skaten, einen Stadtspaziergang? Irgendetwas, das sich über Zeit entfaltet und einen natürlichen Bogen hat: Anfang, Mitte, Ende.
Mein Tipp für ein erstes Videoprojekt als Einsteiger: Nimm eine einzelne Aktivität an einem einzelnen Tag. Nicht ein ganzes Wochenende, keine Reise. Einen Tag. Zum Beispiel: "Ich fahre mit dem Mountainbike die Trails am Müggelsee und filme dabei." Fertig. Das ist dein Projekt.
Wenn du dir noch nicht sicher bist, hilft eine alte Journalisten-Frage: Wer macht was, wo, warum? Schreib einen Satz. Wirklich nur einen. Kannst du das nicht, ist die Idee noch zu vage.
Was ist ein Moodboard — und brauchst du das?
Kurze Antwort: Es hilft, ist aber kein Pflichtprogramm. Ein Moodboard ist eine Sammlung von Bildern, Clips oder Screenshots, die zeigen, wie dein Video aussehen soll — Stimmung, Farbton, Schnittrhythmus. Pinterest funktioniert dafür, ein einfacher Ordner auf dem Desktop auch.
Such dir ein paar YouTube-Videos, die dir gefallen, und schau, was sie gemeinsam haben. Viel Zeitraffer? Nahaufnahmen von Details? Ruhige Musik mit langsamen Schnitten? Das ist dein Stilgefühl. Völlig ausreichend als Orientierung.
Schritt 2: Der Shot-Plan — klingt komplizierter als er ist
Ein Shot-Plan für ein Actioncam-Projekt muss keine professionelle Drehbuchseite sein. Es ist einfach eine Liste mit Antworten auf: Was filme ich, wo, und warum?
Hier eine einfache Vorlage:
| # | Shot-Beschreibung | Ort / Situation | Dauer ca. | Kamera-Position |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Ankunft am Spot, Ausrüstung auspacken | Parkplatz Trailhead | 10–20 Sek. | Chest Mount, normal |
| 2 | Trail-Fahrt Segment A, zügig | Erster Abschnitt bergauf | 30 Sek. | Helm-Mount, POV |
| 3 | Detailaufnahme: Reifen auf Schlamm | Trail-Abschnitt nass | 5–8 Sek. | Boden-Level, statisch |
| 4 | Aussichtspunkt, Pause, Panorama | Kuppe nach Aufstieg | 15 Sek. | Stativ oder Stein |
| 5 | Abfahrt, schnell, Weitwinkel | Technischer Abschnitt | 20–30 Sek. | Lenker-Mount |
| 6 | Abschluss-Shot: Erschöpftes Gesicht, Sonnenuntergang | Endpunkt | 10 Sek. | Selfie-Modus |
Sechs Shots. Das klingt nach wenig — ist aber Absicht. Ein kurzes Video braucht vielleicht zehn Clips, von denen du beim Schnitt einen Teil wirklich verwendest. Planst du zu viele Shots, wirst du überfordert. Planst du sechs und kommen spontan ein paar Bonus-Clips dazu: umso besser.
Denk in Dreier-Gruppen. Establishing Shot (wo bin ich?), Action Shot (was passiert?), Detail Shot (wie fühlt sich das an?). Wendest du das immer wieder an, entsteht automatisch ein Video, das sich rund anfühlt — nicht wie eine zusammengewürfelte Clip-Sammlung. Was übrigens fast jedem passiert, der ohne Plan dreht.
Tipp: Dein erstes Videoprojekt muss nicht perfekt sein. Wirklich nicht. Was zählt: Du lernst, was funktioniert — und was nicht. Jeder misslungene Shot ist wertvoller als zehn, die du zuhause gelassen hast.
Einen Shot-Plan musst du auch nicht digital anlegen. Ich kenne Leute, die schreiben das mit einem Stift auf ein Post-it und kleben es ans Fenster. Funktioniert genauso.
Schritt 3: Kamera und Zubehör — was du wirklich brauchst
Für ein erstes Projekt gilt: So wenig Technik wie möglich. Eine Kamera, zwei Mounts, eine Speicherkarte.
Wenn du unsicher bist, welche Kamera — die GoPro Hero13 Black und die DJI Osmo Action 5 Pro sind beide solide Einstiege. Gute automatische Bildstabilisierung, keine stundenlange Menü-Einarbeitung notwendig. Der Unterschied: Die DJI hat einen größeren Sensor und schlägt sich bei wenig Licht spürbar besser. Die GoPro ist in Deutschland weit verbreitet — viel Zubehör, viele Tutorials, große Community.
Für einen ersten Outdoor-Trip: Miet dir eine der beiden für ein Wochenende, bevor du kaufst. So läuft es bei den meisten cam2rent-Kunden — und die kommen zum Kauf zurück, weil sie dann genau wissen, was sie wollen.
Zubehör für Tag 1:
- Chest Mount oder Helmet Mount (je nach Aktivität)
- Ersatz-Akku — ein voller reicht selten für einen ganzen Tag
- Mikrofasertuch — die Linse muss sauber sein, und das wird von fast jedem unterschätzt
Nichts anderes. Gimbal, Tauchgehäuse, externe Mikrofone — das kommt alles später, wenn du weißt, dass du dabei bleibst.
Vorschau: In Teil 2 geht es zum Dreh. Wir reden über Einstellungen, die du vor dem Dreh setzen solltest, welche Fehler beim Filmen fast jeder macht — und wie du auch dann gute Aufnahmen bekommst, wenn es nicht nach Plan läuft.
Bis dahin: Schreib deinen einen Satz. Wer macht was, wo, warum. Wenn der steht, hast du bereits mehr geplant als die meisten Erstprojekte.



