Mein erstes Actioncam-Projekt – Der Drehtag (Teil 2)
Falls du Teil 1 verpasst hast: Da ging es ums Planen. Location aussuchen, Shot-Liste schreiben, Ausrüstung packen. Alles sehr ordentlich. Sehr theoretisch. Ich hatte mir das Ganze ziemlich glatt vorgestellt.
Dann kam der Drehtag.
6:47 Uhr – Das Setup-Chaos beginnt
Ich hatte mir vorgenommen, eine Stunde vor dem eigentlichen Dreh da zu sein. Goldenes Licht einfangen, in Ruhe alles aufbauen, vielleicht noch einen Kaffee trinken. So der Plan.
In der Realität: Akku der DJI Osmo Action 5 Pro nur zu 60% geladen, weil ich vergessen hatte, sie die Nacht vorher anzuschließen. Speicherkarte hatte ich zwar drin — aber die falsche. 32 GB statt 128 GB. Für 4K-Material mit hoher Framerate hält das vielleicht ein bis zwei Stunden. Vielleicht.
Blöd gelaufen. Aber genau dafür gibt's diese Liste:
Checkliste: Was muss vor dem Dreh gecheckt werden
- Akkus voll geladen (alle Ersatzakkus!)
- Speicherkarten leer und groß genug für geplante Footage
- Kamera-Einstellungen gecheckt: Auflösung, FPS, Stabilisierung an oder aus?
- Objektiv / Linse sauber?
- Alle Halterungen und Mounts dabei?
- Wetterbericht nochmal gecheckt?
- Backup-Speicher (USB-Stick, zweite Karte) eingepackt?
Ich hatte vier von sieben. Nicht toll, aber auch nicht katastrophal. Die Speicherkarte hab ich zum Glück noch gegen die richtige getauscht, bevor ich losgefahren bin.
Der erste Shot. Und dann gleich die erste Lektion.
Ankommen, Kamera raus, erster Take. Alles gut, dachte ich. Kamera in die Halterung geclickt, kurz auf Record gedrückt — und dann nichts. Der Clip war leer. Buchstäblich drei Sekunden, dann hört die Aufnahme auf.
Warum? Ich hatte aus Versehen den "Auto-Stop"-Modus aktiviert, den ich beim letzten Test nicht wieder abgeschaltet hatte. Klingt lächerlich. War es auch — aber trotzdem mein erster richtiger Moment, in dem ich begriffen habe, dass ein Actioncam-Drehtag als Einsteiger anders läuft als alles, was man vorher plant. Du lernst nicht vor dem Dreh, du lernst während des Drehs. Und manchmal auf die etwas peinliche Tour.
Einstellung korrigieren, nochmal. Diesmal lief die Aufnahme durch — aber das Licht war schon etwas flacher als beim ersten Versuch. Das goldene Fenster hatte ich halb verpasst.
Nächstes Mal: Kamera-Settings abends vorher durchgehen und als Screenshot auf dem Handy sichern. So hast du immer einen Referenzpunkt.
Wetterwechsel, falsches Licht, keine Pause — willkommen beim Filmen
Gegen Mittag zog Bewölkung auf. Mein Shot-Plan war auf weiches Morgenlicht ausgelegt. Jetzt hatte ich hartes, flaches Licht, das alles irgendwie platt machte — keine Tiefe, keine Kontraste, einfach uninteressant.
Was dann hilft: die Perspektive wechseln. Tiefe Kamerawinkel funktionieren bei flachem Licht oft besser als mittlere. Ich hab mich buchstäblich auf den Boden gelegt — und plötzlich sah die Aufnahme wieder interessant aus. Nicht weil ich das geplant hatte, sondern weil ich einfach ausprobiert habe. (Was übrigens vielen Leuten nicht in den Sinn kommt, wenn sie zum ersten Mal drehen.)
Genau das ist der Punkt beim Actioncam-Dreh für Anfänger: Dein Shot-Plan ist ein Vorschlag, kein Vertrag. Die besten Clips an dem Tag kamen spontan.
Mach grundsätzlich drei Versionen von jedem Shot. Einmal so, wie du's geplant hattest. Einmal aus einem anderen Winkel. Und einmal bewusst falsch — zu nah, zu weit, zu schnell. Du wirst beim Schnitt überrascht sein, was davon funktioniert.
Tipp: Immer mehr Speicher als geplant mitnehmen. Wenn du denkst, du brauchst eine bestimmte Menge, nimm die nächstgrößere Stufe. Dreifache Takes, B-Roll, versehentliche Endlosaufnahmen, weil du vergessen hast zu stoppen — das alles frisst Speicher schneller als du denkst. Gerade hochauflösendes Material auf der Insta360 Ace Pro 2 oder der GoPro Hero13 Black zieht die Karten ordentlich leer.
Clips vor Ort checken — so geht's schnell
Auf fast allen modernen Actioncams kannst du die Clips direkt auf dem Display durchsuchen. Kurz ins Menü, Galerie öffnen, ersten und letzten Frame des Clips anschauen. Das sagt dir: War die Kamera scharf? War das Bild zu hell oder zu dunkel? Hat die Stabilisierung funktioniert?
Bei der DJI Osmo Action 5 Pro gibt es außerdem eine Quick-Review-Funktion über das Touch-Display, mit der du sofort die letzten Aufnahmen siehst. Ich hab das anfangs nicht genutzt — zu beschäftigt mit dem nächsten Shot. Fehler.
Ein schlechter Clip, den du vor Ort erkennst, ist ein Clip, den du sofort nochmal machen kannst. Zuhause geht das nicht mehr.
Kurze Checkliste für den Vor-Ort-Clip-Check:
- Ist das Bild scharf (besonders bei Bewegung)?
- Ist die Belichtung okay, oder ausgefressen / zu dunkel?
- War Stabilisierung aktiv? (Beim Draufschauen erkennst du starkes Wackeln sofort)
- Hat der Ton gepasst, falls du ein Mikrofon hattest?
Mehr brauchst du nicht. Kein Laptop, kein Farbkorrektur-Tool.
Abschluss-Routine: Footage retten, bevor irgendwas schiefgeht
Nach dem Dreh das Allerwichtigste: Material sichern, bevor du die Karte aus der Kamera nimmst.
Ich hab mir angewöhnt, Clips noch vor Ort auf mein Handy zu übertragen — zumindest die wichtigsten Takes. Die GoPro Hero13 Black und die DJI Osmo Action 5 Pro haben beide Companion-Apps, die das per WLAN erledigen. Kein Ersatz für ein richtiges Backup zuhause, aber ein erster Schutz gegen "Speicherkarte kaputt, alles weg". Zuhause dann: alles auf die Festplatte, Ordnerstruktur anlegen (Datum + Projektname), zweite Kopie auf einem externen Laufwerk oder in der Cloud. Klingt paranoid. Ist aber Erfahrungswissen.
Wer mit cam2rent unterwegs ist und die Kamera zurückgibt: Bitte vorher checken, dass du alle Clips gesichert hast. Wir löschen die Karten vor der nächsten Vermietung — das ist Routine und kein Fehler unsererseits, aber ich hab schon Leute erlebt, die nochmal zurückgerufen haben. Passiert.
Die mentale Seite — und das ist nicht egal
Noch was, was in keiner Anleitung steht. Der erste Creator-Drehtag ist anstrengend. Nicht körperlich unbedingt — mental. Du willst alles richtig machen. Alles cinematic. Alles perfekt.
Wird es nicht sein.
Mein ehrlichstes Learning des Tages: Die Shots, bei denen ich aufgehört habe, darüber nachzudenken, ob sie gut werden — die sind am Ende am besten geworden. Perfektionismus bremst dich beim Filmen mehr aus als schlechtes Licht, schlechtes Wetter oder eine zu kleine Speicherkarte zusammen.
Mach den Shot. Mach ihn nochmal. Und dann geh weiter.
Ausblick: In Teil 3 schneiden wir das Material. Wir schauen uns an, wie du aus vielen Minuten Rohmaterial einen sauberen kurzen Clip baust — ohne teure Software, ohne Vorkenntnisse. Welche Clips kommen raus, welche kommen rein, und warum die erste Version immer zu lang ist.
Bis dann.



