Der Wald riecht nach nassem Laub, die Sonne steht tief, und für einen kurzen Moment am Morgen sieht alles aus wie ein Gemälde. Genau dann greift man zur Kamera — und bekommt matschige Überbelichtung, weil der Automatik der Kontrast zu viel wird.
Herbst ist die schwierigste Jahreszeit für Actioncam-Aufnahmen. Nicht wegen Regen oder Kälte. Wegen des Lichts. Wer das einmal kapiert, bringt plötzlich ganz andere Aufnahmen mit nach Hause.
Warum Herbstlicht so tückisch ist
Das Problem ist der Kontrast. Tiefstehende Sonne durch oranges Laub auf der einen Seite — schattige Waldpfade auf der anderen. Die meisten Actioncams haben keinen besonders großen Dynamikumfang, also entscheidet man sich unbewusst: Highlights richtig belichten oder Schatten. Beides gleichzeitig? Selten.
Die GoPro Hero13 Black löst das besser als viele erwarten würden. Der HDR-Videomodus macht hier tatsächlich Sinn — speziell bei Gegenlichtsituationen durch Blätterdächer, nicht für alles. Man verliert etwas Schärfe in schnellen Bewegungen, aber für langsame Walkthrough-Shots durch den Wald ist das der richtige Griff. HDR bei der Hero13 also gezielt für statischere Einstellungen einsetzen, nicht für Laufaufnahmen.
Die DJI Osmo Action 5 Pro geht einen anderen Weg. D-Log M gibt mehr Spielraum in der Nachbearbeitung, und das Dual-Screen-Display macht es einfacher, schnell zu checken, ob die Belichtung sitzt — was auf Wanderungen ohne Stativ wirklich Gold wert ist, gerade wenn man alleine unterwegs ist. Bei cam2rent sehen wir das regelmäßig: Kunden, die viel in der Natur filmen, greifen häufiger zur Osmo Action, weil das Display-Setup schlicht praktischer ist.
Kurz gesagt: Hero13 für fertige In-Camera-Ergebnisse, Osmo Action 5 Pro wenn du in der Nachbearbeitung arbeitest.
Konkrete Einstellungen für Herbst-Aufnahmen
Weißabgleich: Auf keinen Fall Auto lassen. Automatischer Weißabgleich neutralisiert genau das Warme, das den Herbst so schön macht — und hinterher bekommst du nie wieder den gleichen Ton zurück. Einen festen Weißabgleich als Ausgangspunkt wählen, bei direktem Sonnenlicht eher kühler einstellen. Zehn Sekunden Testaufnahme vor dem Losgehen sparen später Frust beim Schneiden.
ISO: Tagsüber im Wald bei bedecktem Himmel kannst du das ISO moderat anheben, ohne dass es hässlich wird. Sobald es bewölkt ist und der Wald dichter wird, lieber die Belichtungszeit anheben als das ISO weiter aufdrehen. Rauschen fällt im Herbstwald durch die Textur zwar weniger auf als auf Schnee — aber es ist trotzdem da.
Belichtungszeit: Für fallendes Laub und den klassischen Shot mit verschwommenen Blättern im Wind brauchst du längere Belichtungszeiten. Bei Actioncams ohne ND-Filter ist das kaum zu erreichen, wenn die Sonne rauskommt. Ein einfaches ND-Filter-Set löst das Problem. Beide Kameras haben Filteradapter — nutz sie.
Protune/D-Log: Bei der Hero13 Protune aktivieren, Color auf „Flat" stellen, Sharpening auf Low. Das gibt in der Nachbearbeitung mehr Spielraum für Farbanpassungen. Herbstfarben wollen nachbearbeitet werden. Leichter oranger Warmton, leicht erhöhter Kontrast — fertig.
Tipp: Die goldene Stunde beginnt im Herbst früher als du denkst — je nach Monat und Standort bereits am frühen Nachmittag. Wer bis zum frühen Abend wartet, hat sie oft verpasst. Plane längere Walks so, dass du rechtzeitig an einer offenen Stelle bist.
Halterungen für lange Wanderungen
Brustgurt ist die naheliegende Wahl — aber ehrlich gesagt nervt er mich nach zwei Stunden. Die Kamera sitzt stabil, zeigt aber immer leicht nach unten, und bei Gegenlicht-Shots durch Blätter ist die Perspektive schlicht zu hoch. Für technische Trails, wo ich beide Hände brauche, nehme ich ihn. Für gemächlichere Herbstwanderungen kombiniere ich lieber.
Der Trekkingstock-Mount ist unterschätzt. Du kannst die Kamera auf Bodennähe bringen, in Äste halten, über Bachläufe strecken — das gibt Flexibilität, die ein Brustgurt nie hat. Der Stock ist sowieso dabei, also kostet es nichts extra außer einem Adapter.
Selfie-Stick für Arm-Extension-Shots und die klassischen „Ich-laufe-durch-den-Wald"-Aufnahmen aus leichter Untersicht. Klingt touristisch. Sieht im Schnitt aber gut aus, wenn der Hintergrund stimmt.
Für alle drei Mounts gilt: Stabilisierung anschalten. RockSteady bei der Hero13, HorizonSteady bei der Osmo Action 5 Pro. Wald ohne Stabilisierung ist eine Tortur beim Anschauen.
Die Shots, die wirklich funktionieren
Gegenlicht durch Blätter: Kamera leicht nach oben richten, Belichtung auf die hellen Bereiche korrigieren, nicht auf den Boden. Die dunklen Äste werden silhouettiert — das sieht gut aus. Für diesen Shot bewusst auf Stabilisierung verzichten; leichtes Handschwingen gibt dem Bild Lebendigkeit.
Bodennahe Perspektive: Kamera auf sehr niedriger Bodenhöhe, Clip auf Zeitraffer oder einfach statisch lassen, während du drüberläufst. Nasse Blätter, Wurzeln, Pilze — das ist B-Roll, die einen Film komplett verändert. Die meisten Wanderer filmen nur auf Augenhöhe. Geh runter.
Nebel im Tal: Das braucht Geduld und Glück, klar. Wenn er aber da ist: früh morgens, erhöhter Standpunkt, Belichtung manuell. Automatik interpretiert weißen Nebel als Überbelichtung und unterkompensiert. ISO niedrig, Belichtungszeit eher lang. Nebel ist kein schnelles Motiv.
Laufaufnahme von vorne: Jemand läuft auf die Kamera zu, Kamera auf den Boden gelegt oder sehr tief gehalten. Der klassische Actioncam-Shot — mit orangenem Laub-Teppich darunter funktioniert er im Herbst besonders gut.
Wichtig: Der Akku leert sich bei Kälte spürbar schneller. Reserveakku in der Innentasche der Jacke tragen — Körperwärme hält ihn länger fit. Kein Marketingmythos. Ich merke das jedes Jahr im Oktober wieder.
Welche Kamera für Herbst-Wanderungen?
Wer nicht viel nachbearbeiten will und direkt brauchbare Ergebnisse braucht: GoPro Hero13 Black. HDR-Modus kombiniert mit Protune liefert Footage, die du mit minimalem Schnitt hochladen kannst.
Wer weiß, was er in Premiere oder DaVinci macht, und Flexibilität bei Farben schätzt: DJI Osmo Action 5 Pro. D-Log M im Herbst mit einer ordentlichen LUT drüber — das sieht wirklich gut aus.
Beide Kameras kannst du bei cam2rent für deine Herbsttour leihen, auch nur für ein Wochenende. Für einen einzelnen Oktobertag im Bayerischen Wald macht Kaufen sowieso wenig Sinn — ein Wochenend-Verleih reicht, um zu testen, was zu dir passt. Zum Verleih gehört bei cam2rent selbstverständlich auch ein Haftungsschutz, damit du dich auf die Aufnahmen konzentrieren kannst statt auf das Kleingedruckte.



