Herbst, Nebel, Waldweg — Radtouren filmen im Oktober
Mitte Oktober, 7 Uhr morgens, Grunewald. Nebel hängt zwischen den Birken, die Blätter leuchten in diesem unmöglichen Orange, und der Waldweg vor mir ist feucht genug, dass die Reifen eine saubere Spur hinterlassen. Ich habe in dem Moment ehrlich gesagt nicht mal ans Filmen gedacht — und dann hab ich aufs Display geschaut und gesehen, was die Kamera eingefangen hat. Wahnsinn.
Herbst ist für Radtouren das, was goldene Stunde für Stadtfotografen ist. Das Licht ist weich, weil die Sonne flach steht. Die Farben machen die halbe Arbeit. Und dieser diffuse Morgennebel, den man im Sommer nie kriegt — der macht selbst eine 08/15-Waldstrecke cinematic. Kurzum: Wer im Herbst aufs Rad steigt und keine Kamera dabeihat, verschenkt Material.
Aber wie kriegt man das vernünftig hin, alleine, ohne Filmcrew, auf einem E-Bike oder Gravelbike?
Wo die Kamera ans Rad kommt — und wo nicht
Die Mount-Frage ist bei Radtouren eigentlich die wichtigste überhaupt, weil sie bestimmt, welche Perspektiven du überhaupt hast.
Lenker-Mount ist der Klassiker. Breites FOV, schön tief, du siehst den Weg vor dir und die Gabel. Auf glattem Asphalt toll. Auf Forstwegen mit Schotterpiste: Das Bild wackelt, als würde die Kamera einen Anfall bekommen. Stabilisierung auf Maximum, und trotzdem solltest du auf gepflasterten Wegen oder grobem Schotter die Aufnahmen kürzer halten — 10–15 Sekunden reichen, mehr wird im Schnitt eh meistens rausgeschnitten.
Helm-Mount gibt die POV-Perspektive, die viele Leute kennen. Funktioniert gut für Waldpassagen, wo Äste nah am Kopf vorbeifliegen. Wichtig: In Deutschland gilt die StVO auch für Kameras am Helm. Offiziell gibt es kein generelles Verbot für Helmkameras, aber wenn du durch dichte Wohngebiete fährst und eine GoPro am Helm trägst, kann das je nach Kontext als Ablenkung gewertet werden. Auf Feldwegen und Trails — kein Thema. Im Berliner Stadtverkehr würde ich's lassen.
Wichtig: Kamera am Helm und Straßenverkehrsordnung — kein generelles Verbot, aber im städtischen Straßenverkehr mit Ablenkungspotenzial lieber auf Lenker oder Frame-Mount wechseln. Auf Trails und Waldwegen ist das kein Problem.
Sattelpost-Mount ist der Geheimtipp. Die Kamera zeigt nach hinten, du siehst wie die Strecke hinter dir verschwindet — perfekt für diese hypnotischen Waldwege, die sich in der Ferne auflösen. Gerade im Herbst, wenn Laubblätter auf den Weg fallen, sieht das wirklich gut aus. Das Problem: Du siehst nicht, was du aufnimmst. Einfach dranlassen, laufen lassen, später im Schnitt schauen was brauchbar ist.
Frame-Mount am Unterrohr ist mein persönlicher Favorit für E-Bikes. Die Kamera zeigt schräg nach vorne-unten, du siehst Reifen, Boden, Pedalarbeit. Sehr nah, sehr dynamisch. Auf einem E-Bike mit sattem Unterrohr ist da genug Platz — beim Gravelbike wirds enger, aber mit den richtigen Adaptern geht's meistens.
Einstellungen, die wirklich was bringen
Stabilisierung: auf Maximum. Immer. Beim E-Bike kommt noch Motorvibration dazu — die DJI Osmo Action 5 Pro hat da einen kleinen Vorteil, weil ihr RockSteady-System besonders gut mit hochfrequentem Rütteln umgeht. Die GoPro Hero13 Black mit HyperSmooth macht es auch sehr gut, braucht aber bei extremem Schotter manchmal etwas mehr Crop.
FOV: Für Lenker-Mounts nehme ich gerne das breite Sichtfeld, weil es dem Ganzen Tiefe gibt und Bodenunebenheiten dramatischer aussehen lässt. Für Helm-Aufnahmen gehe ich ein Stück runter — LinearHorizonlock bei der Hero13 sieht auf dem Helm natürlicher aus als das maximale Fisheye.
Slow-Motion für Waldpassagen. Unbedingt. Zeitlupenaufnahmen bei einem Abschnitt, wo Herbstblätter fallen oder Nebel zwischen Bäumen hängt — das ist eine dieser Einstellungen, die im Schnitt immer funktionieren. Die Insta360 Ace Pro 2 bietet gute Zeitlupen-Optionen, was für solche Aufnahmen sehr angenehm ist. Beim Gravelbike filmen im Herbst ist Slow-Mo auf langen geraden Waldwegen fast Pflicht.
Belichtung: Im Herbst ist das Licht flach, aber Waldwege können trotzdem starken Kontrast zwischen Lichtflecken und Schatten haben. Ich stelle den Lichtwert manuell auf die Schatten ab — lieber leicht überbelichtet in den hellen Stellen als schwarze Tunnels unter den Bäumen.
Solo unterwegs, aber trotzdem abwechslungsreiche Footage
Das ist der Teil, den die meisten unterschätzen. Als Alleinfahrer bist du gleichzeitig Kameramann und Fahrer — das schränkt ein. Aber nicht so sehr, wie man denkt.
Kamera am Wegrand ablegen, Strecke abfahren, Kamera danach wieder aufheben. Zwei Minuten extra, pro Streckenabschnitt. Du kriegst statische Dritter-Perspektive-Aufnahmen — dein Bike und du, vorbeifahrend, Laub aufwirbelnd.
Statische B-Roll: Einfach anhalten. Kamera auf einen Baumstumpf, einen Stein, eine Leitplanke. Den Weg filmen, den Nebel, das Laub. Keine Person im Bild, kein Bike. Einfach Atmosphäre. Guter Schnitt lebt davon, und gerade Herbst-Radtour-Footage braucht diese ruhigen Momente zwischen der Fahrt — wobei das auch von der Länge deines Videos abhängt, klar.
Mitfahrer-Perspektive — auch ohne Mitfahrer: Setz die zweite Kamera ans eigene Bike und stell sie quer, sodass du dich selbst beim Fahren siehst. Klingt seltsam, ist es aber nicht. Mit der richtigen Montage am Vorderrad, das nach hinten auf den Fahrer zeigt, ist das eine Perspektive, die fast keiner hat.
Welche Kamera für Radtouren im Herbst?
Kurze Antwort: Alle drei haben ihre Berechtigung, aber für unterschiedliche Leute.
Die GoPro Hero13 Black gewinnt beim Zubehör-Ökosystem. Für E-Bike-Kamera-Setup und Gravelbike gibt es mehr spezifische Mounts, Adapter und Halterungen als für jede andere Kamera. Wer viel mit verschiedenen Positionen experimentiert — Lenker, Helm, Sattelpost — ist mit der Hero13 am flexibelsten unterwegs.
Die Insta360 Ace Pro 2 macht im Herbstlicht sehr gute Bilder. Der Sensor hält sich in schwierigen Lichtverhältnissen gut, und gerade morgens im Nebelwald mit wenig Licht merkt man den Unterschied. Wer seine Footage hinterher nicht stundenlang graden will: Ace Pro 2.
Die DJI Osmo Action 5 Pro ist für alle, die mit Handschuhen fahren — und das tut im Herbst fast jeder. Das Dual-Display ist praktisch, aber vor allem ist die Bedienung so simpel, dass man nicht anhalten oder Handschuhe ausziehen muss. Klingt banal, ist es aber nicht.
Tipp: Für holprige Forstwege und Schotterpisten — egal welche Kamera — nimm immer einen Mount mit Gummidämpfung. GoPro bietet das mit dem „Vibration Dampening Mount", DJI und Insta360 haben Adapter-kompatible Lösungen von Drittanbietern. Ohne Dämpfung siehst du auf grobem Untergrund trotz Stabilisierung oft noch ein leichtes Wackeln, das erst im Schnitt auffällt.
Bei cam2rent sehen wir übrigens einen klaren Trend: Herbsttouren-Mieter fragen seit September vermehrt nach der Osmo Action 5 Pro — und meistens wird das mit „ich fahr mit Handschuhen" begründet. Macht Sinn.



