Der erste Tauchgang ist aufregend genug. Und dann noch filmen.
Klingt nach einer guten Idee — bis man das erste Mal das Footage auf dem Laptop öffnet und alles grün-blau-trüb aussieht, die Korallen kaum erkennbar sind und der Weißabgleich irgendwo zwischen Aquarium und Horrorfilm pendelt.
Unterwasser filmen ist technisch eine der schwierigsten Situationen für Actioncams. Nicht wegen der Kamera selbst — die sind heute alle tief genug wasserdicht. Sondern wegen des Mediums, durch das du filmst.
Warum Unterwasserfootage so schwer ist
Wasser schluckt Licht. Und zwar nicht gleichmäßig: Rote Wellenlängen verschwinden zuerst, schon ab wenigen Metern ist das Rot aus deinem Bild weg. Gelb folgt bald danach. Was bleibt: Blau und Grün. Das klingt erstmal harmlos, sieht auf dem Bildschirm aber aus, als hättest du vergessen, den Weißabgleich zu setzen — obwohl du das gar nicht kannst, weil die Kamera automatisch kompensiert und dabei oft noch schlimmer macht.
Dazu kommen Schwebeteilchen. Partikel im Wasser reflektieren dein Licht und erzeugen den sogenannten Backscatter-Effekt: lauter weiße Punkte im Bild, als würde es schneien. Und dann ist da noch der Autofokus — der findet im Wasser oft keine scharfe Kante und fängt an zu pumpen. Rein, raus, nie wirklich scharf.
Das alles ist lösbar. Aber nicht ohne Vorbereitung.
Welche Kamera für den Tauchgang?
Alle drei Kameras aus dem cam2rent-Sortiment, die ich hier empfehlen würde, sind ohne Gehäuse bis zu einer gewissen Tiefe wasserdicht. Da hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf.
GoPro Hero13 Black ist für mich nach wie vor die erste Wahl für Tauchen in flacheren Gewässern. Nativ bis zehn Meter wasserdicht, ohne zusätzliches Gehäuse. Die GP-Log Farbprofile geben dir später in der Nachbearbeitung echte Kontrolle. Was den Ausschlag gibt: der Weißabgleich lässt sich manuell setzen — das ist unter Wasser kein Nice-to-have, das ist notwendig. Wer tiefer als zehn Meter will, braucht ein zusätzliches Gehäuse. Die GoPro Hero13 Black ist aus gutem Grund der Standard für Unterwasserfilmer.
DJI Osmo Action 5 Pro ist nativ wasserdicht und hat einen vergleichsweise großen Sensor — das merkt man. Gerade bei schwachem Licht, also tiefer im Wasser, zieht der größere Sensor mehr Bildinformation raus. Die DJI Osmo Action 5 Pro kommt mit einem D-Log M Profil, das für die Nachbearbeitung sehr angenehm ist. Mein einziger Vorbehalt: der Autofokus verhält sich unter Wasser manchmal unruhiger als bei der GoPro. Manualfokus setzen und fertig — aber das muss man eben wissen.
Insta360 Ace Pro 2 ist eine andere Kategorie. Mit ihrem großen Sensor unter den dreien die stärkste, was Lichtausbeute angeht. Nativ bis zehn Meter. Die KI-gestützte Szenerkennung hilft tatsächlich manchmal beim Weißabgleich — blind überlassen würde ich ihr das unter Wasser trotzdem nicht. Die Insta360 Ace Pro 2 macht Sinn, wenn du vorhast, viel in der Insta360-App zu schneiden und nicht stundenlang in Premiere zu sitzen. Für Einsteiger mit wenig Lust auf Postproduction vielleicht sogar die sinnvollste Wahl.
Einstellungen, die den Unterschied machen
Erste Regel: kein Auto-Weißabgleich unter Wasser. Auto-WB versucht das Blau wegzukorrigieren und dreht dabei am falschen Hebel. Setz den Weißabgleich auf den Tauchgang-Modus, sofern deine Kamera dieses Preset kennt, oder stelle die Farbtemperatur manuell passend zur Tiefe ein.
Zweite Regel: flaches Farbprofil. GP-Log bei GoPro, D-Log M bei DJI, Log-Modus bei Insta360. Das gibt dir in der Nachbearbeitung die Möglichkeit, Farben wieder reinzuholen. Wer direkt aus der Kamera schöne Bilder will, ohne Schnitt, nimmt lieber einen Rotfilter — dazu gleich mehr — und filmt ohne Log.
Auflösung: 4K bei 30fps ist der Sweet Spot. 60fps sieht flüssiger aus, frisst aber mehr Datei. Unter Wasser hast du sowieso wenig schnelle Bewegungen — 30fps reicht.
Autofokus ausschalten. Ernst gemeint. Focuspunkt auf ca. 1–1,5 Meter setzen und lassen. Der AF pumpt unter Wasser mehr als er hilft.
Zubehör, das wirklich gebraucht wird
Tipp: Ab wenigen Metern Tiefe — und eigentlich schon früher — ist ein Rotfilter keine Option, sondern Pflicht. Er kompensiert den Rotverlust im Wasser und gibt deinem Footage wieder natürliche Farben. Für flaches, klares Wasser nimmt man einen roten Filter, für grünlicheres Wasser (Ostsee, Seen) einen magentafarbenen. Das ist die günstigste Verbesserung, die du für dein Unterwasserfootage machen kannst.
Wer tiefer als die nativ wasserdichte Tiefe der Kamera taucht, braucht ein Tauchgehäuse. GoPro bietet für die Hero13 ein offizielles Gehäuse für größere Tiefen an. Drittanbieter wie Telesin oder Fantasea haben auch Optionen für DJI und Insta360.
Wichtig: Mach immer einen Drucktest vor dem ersten Tauchgang mit einem neuen Gehäuse. Das bedeutet: Gehäuse ohne Kamera, verschlossen, einen Tag in einer Wanne mit Wasser lassen. Kein Wasser drin? Dann kannst du beruhigt tauchen. Klingt paranoid — ich kenne aber genug Storys von Leuten, die das ausgelassen haben.
Unterwasserleuchten (Video-Lights) sind für tiefere Tauchgänge sinnvoll — für den ersten Tauchgang ehrlich gesagt zu viel Equipment. Erstmal ohne.
Schwimmauftrieb für die Kamera oder ein Handgriff mit Auftrieb hilft bei langen Tauchgängen. Eine Kamera, die nach unten zieht, nervt auf Dauer.
Die häufigsten Fehler
Auto-Weißabgleich lassen. Schon erklärt. Macht die meisten Leute unglücklich.
Ohne Testlauf ins Wasser. Tauch mit der Kamera erstmal ins Schwimmbad oder in flaches Wasser, bevor du beim ersten Riff drauflosdrehst. Nicht wegen der Technik — sondern weil du lernen musst, wie du die Kamera unter Wasser hältst, ohne zu wackeln. (Was übrigens den meisten erst im Nachhinein auffällt.)
Zu weit vom Motiv entfernt. Zu nah ran ist kein Problem — zu weit weg schon. Der Backscatter-Effekt wird schlimmer, je mehr Partikel zwischen Kamera und Motiv liegen. Also: nah ans Motiv heran, nicht aus der Distanz zoomen. Zwei Armlängen Abstand oder weniger.
Direkt in die Sonne filmen. Funktioniert manchmal für dramatische Shots. Meistens überbelichtet die Kamera alles und du siehst nur Sonne und Silhouetten. Sonne im Rücken, Motiv vor dir.
Speicherkarte voll. Klingt banal, passiert aber. 4K-Material frisst Platz. Vor dem Tauchgang Karte checken und leeren.
Für die meisten Leute ist ein Tauchurlaub eine einmalige oder sehr seltene Sache. Für so einen Trip eine Unterwasserkamera kaufen — Kamera, Gehäuse, Filter, Lights — das summiert sich schnell auf mehrere Hundert Euro. Mieten macht da deutlich mehr Sinn, besonders wenn man noch nicht weiß, ob man regelmäßig taucht. Bei cam2rent bekommst du die Hero13 Black oder die Osmo Action 5 Pro tagesweise, inklusive Haftungsschutz, ohne dass du dich mit Lagerung, Wartung und Gehäusekompatibilität herumschlagen musst. Einmal richtig einrichten, dann ins Wasser.



