Nach dem Salzwasser-Einsatz
Salzwasser ist das Aggressivste, was eine Actioncam erlebt. Nicht weil es sofort Schäden macht — sondern weil Salz kristallisiert, wenn es trocknet. Es zieht in Gummidichtungen, frisst an Metallkontakten und setzt sich in jedem Spalt fest, den du siehst — und in denen, die du nicht siehst.
Letzte Woche kam eine GoPro Hero13 Black von uns zurück — nach einem Surftrip in Fuerteventura. Äußerlich sah sie okay aus. Als ich die Linsenabdeckung abnahm, war da ein weißlicher Salzbelag, der schon leicht ins Dichtungsgummi gezogen hatte. Noch ein paar Tage länger, und das wäre ein Problem geworden. Kein Vorwurf an den Kunden — er hatte die Kamera im Rucksack verstaut und gedacht: die ist ja wasserdicht, passt schon.
Passt meistens. Aber nicht für immer.
Actioncams sind robust. Robustheit bedeutet aber nicht wartungsfrei. Gerade wenn du deine Kamera regelmäßig in Salzwasser, Schlamm oder Schnee nimmst, entscheidet die Pflege danach darüber, wie lange das Gerät hält — egal ob gekauft oder gemietet.
Der Workflow danach ist simpel, aber die meisten lassen einen Schritt weg.
Spülen mit Süßwasser — sofort, nicht später. Nicht abwischen, spülen. Halte die Kamera (geschlossen, mit intaktem Gehäuse) unter fließendes Leitungswasser. Mindestens zwei Minuten. Klappe alle Abdeckungen kurz auf, spül auch dort rein, schließ sie wieder. Der Dreck sitzt in den Scharnieren.
Dann: Kamera mit einem weichen Tuch trocken tupfen — nicht reiben. Und dann kommt der Schritt, den fast alle überspringen: trocken lagern. Nicht in der Tasche. Irgendwo mit Luftzirkulation, für mindestens ein paar Stunden.
Für die DJI Osmo Action 5 Pro gilt dasselbe. DJI gibt eine Wasserbeständigkeit bis zu einer bestimmten Tiefe an — aber das ist kein Freifahrtschein, um die Reinigung wegzulassen.
Schlamm, Dreck, Staub: Mountainbike und Klettern
Nasser Schlamm ist eigentlich harmloser als trockener Dreck. Wenn er noch feucht ist, lässt er sich einfach abspülen. Wenn er getrocknet ist, kratzt du ihn weg — und kratzt dabei vielleicht die Linsenabdeckung mit.
Also: nach dem Ride immer zuerst grob abspülen, bevor alles eintrocknet. Weiche Zahnbürste für die Scharniere und Ecken. Kein Hochdruckwasser — auch wenn die Versuchung groß ist, weil Hochdruck Wasser durch Dichtungen treibt, die unter normalen Umständen halten würden.
Bei trockener Erde oder Sand (Klettern an Sandsteinfelsen zum Beispiel): Druckluft aus der Dose. Damit kriegst du Partikel aus Rillen, ohne zu kratzen. Danach mit einem trockenen Mikrofasertuch über die Oberfläche.
Schnee und Kälte: Das Kondenswasser-Problem
Das sieht man bei uns am häufigsten bei Skifahrern. Die Kamera wird kalt draußen benutzt, man kommt in die Hütte, und Minuten später ist die Linse von innen beschlagen — weil kalte Luft im Gehäuse auf warme, feuchte Innenraumluft trifft.
Vollständig vermeiden lässt sich das nicht. Aber reduzieren schon: Kamera nach dem Einsatz langsam akklimatisieren lassen, zum Beispiel im Rucksack oder in der Außentasche der Jacke. Nicht direkt in die warme Hütte. Wer das einmal konsequent macht, merkt schnell den Unterschied.
Außerdem prüfen, ob Schnee in die Anschlüsse gedrückt wurde. Besonders bei Stürzen. Schnee schmilzt — und dann hast du Wasser da, wo keines sein sollte.
Sand und Wüste: Das unterschätzte Problem
Sand ist mechanisch. Jedes Sandkorn zwischen Linsenabdeckung und Gehäuse ist potenziell ein Kratzer. Anders als Wasser sieht man ihn oft nicht sofort.
Nach einem Wüsten- oder Strand-Einsatz: erst Druckluft, dann Tuch. Nie umgekehrt. Wer zuerst reibt, reibt den Sand in die Oberfläche. Klingt komisch, ist aber so — schau dir mal eine Linsenabdeckung an, die ein Jahr so behandelt wurde. Die sieht aus wie gemattetes Glas.
Die Linse reinigen — richtig
Die Linsenabdeckung ist das empfindlichste Teil. Kratzer entstehen meistens nicht im Einsatz, sondern beim Reinigen danach.
Mikrofasertuch ist Pflicht. Kreisförmig wischen, von innen nach außen, mit minimalem Druck. Niemals Papiertaschentücher, Shirtstoffe oder Ähnliches — die kratzen alle.
Bei hartnäckigen Flecken: ein Tropfen destilliertes Wasser oder spezieller Linsenreiniger auf das Tuch, nicht direkt auf die Linse. Einmal drüber, dann mit trockenem Tuch nachpolieren. Aceton, Isopropanol in hoher Konzentration, Glasreiniger — alles greift Beschichtungen an, also weg damit.
O-Ringe: Wann wechseln, wie pflegen
Das ist das Thema, das die meisten ignorieren — bis die Kamera das erste Mal undicht wird.
Die GoPro Hero13 Black hat einen abnehmbaren O-Ring an der Akkufachabdeckung. GoPro liefert Ersatz-O-Ringe mit, und man kann sie selbst wechseln: alten Ring rausnehmen, Nut reinigen, neuen Ring einlegen, dünn mit Silikon-Schmiermittel einreiben. Kein Vaseline, kein WD-40. GoPro empfiehlt den Wechsel nach regelmäßigem Gebrauch oder wenn der Ring sichtbare Risse oder Verformungen zeigt — die genauen Intervalle stehen in der aktuellen offiziellen Dokumentation.
Die DJI Osmo Action 5 Pro hat ebenfalls Dichtungsringe, aber das System ist anders aufgebaut. DJI empfiehlt hier, die Wartung durch autorisierten Service machen zu lassen, wenn man die Wasserdichtigkeit nicht riskieren will.
Wichtig: Wer den O-Ring falsch einlegt oder beschädigt und danach Wasserschäden entstehen, riskiert den Verlust der Garantie. GoPro und DJI schließen Wasserschäden unter bestimmten Umständen aus der Garantie aus. Prüfe die jeweils aktuellen Garantiebedingungen des Herstellers, besonders wenn die Kamera zum Tauchen eingesetzt wird. Wer eine Kamera bei uns mietet, findet die Regelungen zum Haftungsschutz in den Mietbedingungen auf cam2rent.de.
Tipp: Kamera nach der Reinigung mit Silica-Gel-Beuteln in einer kleinen Box oder Tasche lagern. Das zieht Restfeuchte raus und verhindert Schimmel in Dichtungen — besonders sinnvoll in der Winterpause.
Pflege-Checkliste nach jedem Einsatz
Kurz und konkret:
- Salzwasser: Sofort mit Süßwasser spülen, mindestens 2 Minuten, dann trocken lagern
- Schlamm: Abspülen solange feucht, Scharniere mit Zahnbürste, kein Hochdruckwasser
- Schnee: Langsam akklimatisieren, Anschlüsse auf Schneereste prüfen
- Sand: Erst Druckluft, dann Mikrofasertuch — nie umgekehrt
- Linse: Mikrofasertuch, kreisförmig, kein Papier, kein Glasreiniger
- O-Ring: Nach jedem Tauch-Einsatz prüfen, bei Verschleiß ersetzen (bei GoPro selbst möglich), Silikon-Schmiermittel verwenden
- Lagerung: Silica-Gel, Luftzirkulation, nicht in geschlossener Tasche
Bei uns in der Verleihstation sehen wir den Unterschied zwischen gepflegten und ungepflegten Kameras sofort. Nach einem Jahr Gebrauch ist der Abstand deutlich.



